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DACH-Studie zeigt Rückbesinnung der Spielwaren-Hersteller auf Europa

25.05.2023


Weltwirtschaft und globaler Handel stehen massiv auf dem Prüfstand: Eine gemeinsame Umfrage der Spielwarenverbände in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt, dass die Rückbesinnung auf Europa bei 59% der befragten Spielwarenhersteller an Stellenwert gewinnt.

DACH Toy Sourcing

Die Ergebnisse der DACH-Umfrage zur Zukunft der Beschaffung in der Spielwarenbranche liegen vor. Die ausführlichen Daten der repräsentativen Erhebung vor dem Hintergrund der aktuellen geopolitischen Krisen finden Sie hier.

Zwei Aspekte verdienen hervorgehoben zu werden:

  1. Die goldene Win-Win-Ära mit China scheint in eine Phase der merklichen Abkühlung getreten zu sein. Gleichzeitig gewinnen Themen wie „Near-shoring“ und/oder „Diversifizierung“ an Relevanz, um Lieferketten resilienter und robuster aufzustellen. Diese Tendenz entspricht dem, was Ökonomen seit geraumer Zeit als Decoupling und die Politik neuerdings als Derisking bezeichnen. 80% der befragten Unternehmen stimmen der Aussage zu, dass der Westen seine China-Strategie überarbeiten muss – ein ungewöhnlich hoher Wert. Treten wir in eine Phase der De-Globalisierung ein? Die Wirtschaft ist offenbar politischer geworden.
  2. Die „Labilisierung“ und der Kauf von Zertifikaten, um einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, ist in jüngster Zeit massiv in die Kritik geraten. Auch das ESG-Konzept will die Auswirkungen wirtschaftlichen Handels auf Umweltschutz, die Einhaltung von sozialen und gesellschaftlichen Standards bewerten. Fast zwei Drittel der befragten Unternehmen betrachten das ESG-Konzept allerdings als „modernen Ablasshandel“, weil es keine einheitlichen und verbindlichen Standards gibt. Die DACH-Firmen der Spielwarenbranche vertrauen lieber politischen und marktwirtschaftlichen Anreizen als einer florierenden Label-Industrie.

Das Thema „Toy Sourcing“ haben die Kooperationspartner Deutscher Verband der Spielwarenindustrie (DVSI), Toy Forum Austria (TFA) und Spielwaren Verband Schweiz (SVS) mit Bedacht gewählt. Auch wenn die durch die Pandemie hervorgerufenen Probleme in den globalen Lieferketten weitestgehend ausgeräumt sind, stellt sich doch die Frage, ob die Zeitenwende nicht Spuren in der Ausrichtung der Geschäftstätigkeit hinterlassen hat. Fest steht, dass die regelbasierte, multilaterale Ordnung mit dem russischen Überfall auf die Ukraine und dem Erstarken nationaler wirtschaftlicher wie politischer Interessen in eine neue Phase eingetreten ist. China verfolgt seine geoökonomischen Interessen konsequent, siehe Neue Seidenstrasse.

Deutschland, Österreich und die Schweiz ticken in vielem im Gleichklang, aber in einigen Punkten gibt es durchaus kleine Differenzen. Alles andere wäre auch eine Überraschung.

Nationale Unterschiede

Das zeitliche Zusammentreffen verschiedener Krisen (Pandemie, Ukraine-Krieg, Taiwan-Konflikt u.a.) stellt aus Sicht der teilnehmenden Spielwarenhersteller Weltwirtschaft und globalen Handel massiv auf den Prüfstand. So stimmen 80% der Befragten der Aussage zu, dass der Westen angesichts der jüngsten Entwicklungen seine China-Strategie kritisch überarbeiten müsse. Auch sind 74% überzeugt, dass geopolitische Konflikte und Klimawandel künftig verstärkt Relevanz für Strategie und Geschäftsalltag von Unternehmen haben werden.

Ein kleiner Lichtblick ist dabei die Rückbesinnung auf den europäischen Wirtschaftsraum. So können sich immerhin knapp 59% der befragten Spielwarenhersteller aus der DACH-Region vorstellen, dass die EU als weltweit größter Binnenmarkt für sie deutlich an Stellenwert gewinnen könnte. Besonders hoch sind dabei die Zustimmungswerte der im DVSI und SVS organisierten Unternehmen (60 bzw. 57%), während die TFA-Mitglieder die EU-Perspektiven etwas weniger positiv sehen (45%).

Schweizer Spielzeuglieferanten sorgen sich mehr um Handelsbeschränkungen und politische Risiken (China)

Insgesamt sind die Risikowahrnehmungen der Befragten aus den einzelnen Ländern relativ ähnlich, wobei es im Detail einige Unterschiede gibt. So sehen z.B. die DVSI Mitglieder eher starke Risiken durch veränderte rechtliche Rahmenbedingungen, während sich TFA-Mitglieder relativ stark um Wechselkursschwankungen und SVS-Mitglieder stärker um Restriktionen durch Handelsbeschränken, Sanktionen und Zölle sorgen.

Weniger Kopfzerbrechen bereiten dagegen die Produktionsbedingungen im Ausland, die für 43% der befragten Hersteller nicht relevant sind (DVSI 37%, TFA 73%, 58% SVS). Dennoch sehen auch hier 42% der Umfrageteilnehmer starke bis leicht negative Entwicklungen, wovon vor allem die Großunternehmen über 10 Mio. € Jahresumsatz betroffen sind (59% negative Nennungen).

Differenziert nach den Mitgliedsunternehmen aus den einzelnen Verbänden ist der Abhängigkeitsgrad in den einzelnen Ländern ähnlich (DVSI 2,7 / TFA 2,6 / SVS 2,4), wobei sich Schweizer Unternehmen etwas weniger abhängig von China sehen. Insgesamt sind die China-spezifischen Risikowahrnehmungen der befragten SVS-Mitgliedsunternehmen auf allen Dimensionen kritischer als die der DVSI-Mitglieder. Insbesondere sehen die Schweizer Produzenten deutlich stärker mögliche politische Risiken, z.B. die Gefahr von Handelskriegen und Sanktionen, während für die Hersteller aus Österreich vor allem die Lieferkettenrisiken im Vordergrund stehen.

Die Datenbasis

Wichtig für die Aussagekraft einer Befragung ist ihre Repräsentativität.

Die in den drei Verbänden organisierten Spielwarenhersteller machen in den jeweiligen Ländern zwischen 30 bis 80 Prozent des Umsatzes der nationalen Spielwarenindustrie aus. Dies ist eine grundsätzlich gute Basis, um über eine Mitgliederbefragung ein aussagekräftiges Bild der Gesamtbranche zu zeichnen.

Insgesamt wurden für die Fokus-Umfrage „Toy Sourcing“ 262 Mitgliedsfirmen in den drei beteiligten Verbänden angeschrieben. Im Teilnahmezeitraum vom 19. bis 28. April 2023 nahmen 112 Firmen an der Befragung teil, was einer Rücklaufquote von 43 % entspricht.

Insgesamt ist die Datenbasis groß genug, um verlässliche Aussagen zu Lage und aktuellen Entwicklungen der Branche zu treffen. Neben länderspezifischen Aussagen lässt die Analyse auch eine Differenzierung zwischen unterschiedlichen Firmengrössen zu. So beteiligten sich an dieser Befragung 13% kleinere Hersteller mit einem Jahresumsatz von bis zu 500 T €, 46% mittelgrosse Produzenten mit bis zu 10 Mio. € sowie 41% Grossunternehmen über 10 Mio. €.


Kontakt

Spielwaren Verband Schweiz
Herr Sandro Küng
Geschäfts- und Medienstelle
Arterstrasse 28
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